Leadership for Learning – Grundkonzept
Anderegg und Kolleg:innen entwickeln das Konzept Leadership for Learning (L4L) als Antwort auf die Frage, wie Schulleitung das Lernen in den Mittelpunkt der Schule rückt. Es ist eine bewusste Gegenbewegung zu einer Schulleitung, die sich primär als Verwalterin oder Managerin versteht.
Drei verschachtelte Lernebenen
Im Kern unterscheidet L4L drei verschachtelte Ebenen des Lernens: Die Schulleitung sorgt dafür, dass Schüler:innen wirksam lernen (Output), dass Lehrpersonen ihr Unterrichten reflektieren und weiterentwickeln (PLG), und sie lernt selbst an ihrer Führungspraxis. Die drei Ebenen sind nicht nacheinander, sondern simultan zu denken.
Diese Schachtelung verbindet L4L direkt mit der empirischen Lernforschung – insbesondere mit Hatties Visible Learning: Wenn Lehrpersonen ihre Wirkung sehen sollen, müssen Schulleitungen die Bedingungen dafür schaffen (Feedbackkultur, Datennutzung, Zeit für Reflexion).
Abgrenzung
L4L ist nicht identisch mit «pädagogischer Führung» im Sinne einer einzelnen Aufgabe neben anderen. Es ist ein Führungs-Paradigma, das alle Tätigkeiten der Schulleitung mit dem Fokus «Wirkt das aufs Lernen?» überprüft. Anschaffungen, Stundenplangestaltung, Personalentscheidungen, Sitzungsstrukturen – alles wird daran gemessen.
Die Autor:innen betonen, dass L4L in der Schweiz besonders gut zu Schulen mit grosser Autonomie passt, weil dort Schulleitungen tatsächlich die Hebel haben, Lernbedingungen zu gestalten.
Verbindungen
- Schulleitung als pädagogische Führung – Leadership for Learning ist die englischsprachige Entsprechung der pädagogischen Führung
- Visible Learning – das Grundkonzept – Hatties Visible Learning liefert die empirische Basis, an der Leadership for Learning ansetzt
- Schule als lernende Organisation – die Schule als Lerngemeinschaft ist das Wirkfeld lernzentrierter Führung
- Professionelle Lerngemeinschaft (PLG) – PLGs sind die institutionelle Form, in der Leadership for Learning konkretisiert wird
- Instructional Leadership nach Hallinger und Hattie – die anglophone Wurzel von L4L; Hallinger und Hattie als zentrale Quellen
- Angelsächsische Schulleitungsansätze – Übersicht – L4L im Kontext der vier angelsächsischen Leadership-Konzepte
Literatur
- Anderegg, N., Beywl, W., Breitschaft, J., Bremm, N., Bronnert-Härle, H., Brückel, F., Carl, F., Castelli, P., Dierks, B., Fullan, M., Gerick, J., Gernhöfer, U., Guerra, R., Hagener, T., Hallinger, P., Jesacher-Rößler, L., Klein, E. D., Knies, A., Köferli, S., Kuster, R., MacBeath, J., Maurer, B., Peng, V., Pietsch, M., Racherbäumer, K., Rincón-Gallardo, S., Robinson, V., Schratz, M., Schwarz, J., Spirig Esseiva, R., Stähling, R., Strauss, N. C., Swaffield, S., Townsend, T., Tulowitzki, P., Wilhelm, C. & Ziervogel, L. (2023). Leadership for Learning – gemeinsam Schulen lernwirksam gestalten. Bern: Hep. https://doi.org/10.36933/9783035523010
Verweise auf diese Seite
- Angelsächsische Schulleitungsansätze – Übersicht Zettelkasten
- Instructional Leadership nach Hallinger und Hattie Zettelkasten
- Lernzentrierte Führung Zettelkasten
- Schulleitung als Lernende – Haltung statt Rolle Zettelkasten