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Kollektive Lehrer-Wirksamkeit (CTE)

Kollektive Lehrer-Wirksamkeit (CTE)

Collective Teacher Efficacy – die geteilte Überzeugung eines Kollegiums, gemeinsam Wirkung erzeugen zu können – wurde von Albert Bandura konzeptuell begründet (1997, Kap. 11, S. 477; schulspezifisch bereits Kap. 6, S. 240–243) und gehört in Hatties Faktorenlisten zur absoluten Spitzengruppe: d = 1.34 im Sequel (2023, S. 227; 3 Meta-Analysen, 85 Studien) – die vielzitierte 1.57 ist der ältere Eells-Wert – weit über dem Hinge-Point und oberhalb praktisch aller klassischen Unterrichtsfaktoren.

Was CTE ist – und was nicht

Banduras kanonische Definition: «Perceived collective efficacy is defined as a group's shared belief in its conjoint capabilities to organize and execute the courses of action required to produce given levels of attainments» – die geteilte Überzeugung einer Gruppe von ihren verbundenen Fähigkeiten, das erforderliche Handeln zu organisieren und auszuführen (1997, S. 477). CTE ist ausdrücklich nicht die Summe individueller Selbstwirksamkeiten, sondern «an emergent group-level attribute» – eine emergente Eigenschaft des Kollegiums, die aus der Interaktionsdynamik entsteht. Bandura benennt die Stellgrössen dieser Dynamik gleich mit: die Mischung von Wissen und Kompetenzen, Struktur und Koordination der Aktivitäten, die gewählten Strategien, ob Mitglieder einander fördern oder untergraben – und «how well it is led» (S. 477). Dieselben Personen erreichen je nach Zusammenspiel und Führung sehr unterschiedliche Ergebnisse. CTE wirkt über mehrere Mechanismen: höhere Anstrengungsbereitschaft, mehr Risikobereitschaft im Pädagogischen, weniger Resignation bei Schwierigkeiten, mehr gegenseitige Unterstützung.

Banduras Schul-Befunde (Kap. 6)

Wie CTE entsteht

Analog zu den vier Quellen der individuellen Selbstwirksamkeit – die schulspezifische Ausarbeitung stammt aus der Forschungslinie um Goddard, Hoy und Tschannen-Moran: Gemeinsame Erfolgserlebnisse (das Kollegium erlebt, dass sein Handeln tatsächlich Wirkung hatte); stellvertretende Erfahrungen (Beobachtung anderer Schulen oder Teams, die etwas geschafft haben); soziale Überzeugung (gegenseitige Bestärkung, glaubwürdiges Lob, klare Schulleitungs-Botschaften); affektiv-physische Zustände (Energie, Motivation, Hoffnung statt Erschöpfung).

Hebel für Schulleitungen

CTE ist eine Führungsverantwortung – Banduras «how well it is led» und die Prinzipal-Passage liefern die theoretische Deckung. Hebel: Erfolgserlebnisse sichtbar machen (Daten zu Lernfortschritten teilen, Erfolgsgeschichten erzählen); strukturierte Lernformen im Kollegium (PLGs); Sprache der Wirksamkeit pflegen («Wir haben es geschafft» statt «Die Schüler sind heute schwierig»); realistische, aber ambitionierte Ziele setzen, deren Erreichen zelebriert wird; akademischen Fokus und Anwaltschaft verbinden (Bandura: Freundlichkeit allein genügt nicht); Bedingungen schaffen, damit das Kollegium nicht permanent im Krisenmodus arbeitet.

Hattie betont: CTE ist mehr als Zuversicht oder hohe Erwartungen – die Wirksamkeitsüberzeugungen müssen mit Wirkungs-Evidenz gefüttert werden; eine geteilte Sprache über Lernen und Wirkung zählt mehr als eine geteilte Unterrichtsmethode («We are evaluators», «We are change agents», «We collaborate»), und Kollaboration darf nicht «contrived … on the margins of real work» bleiben, also «künstlich … am Rande der eigentlichen Arbeit» (2023, S. 228, mit Little 1990). Auf Führungsebene rahmt das Sequel entsprechend neu: Es geht nicht um Strukturen, Budgets oder Aussendarstellung, sondern um «the collective power of the adults in the school to positively impact on student learning» (S. 71–72). CTE entsteht nicht durch Motivationsreden, sondern durch wiederholte Erfahrung gemeinsamer Wirksamkeit. Schulleitungen müssen also kleine, sichtbare Erfolge organisieren und feiern – nicht nur über grosse Visionen sprechen.

Verbindungen

Literatur