Moralische Entkopplung nach Bandura: acht Mechanismen, vier Orte
Fragen, die hierher führen
«Im Lehrerzimmer wird abschätzig über Kinder geredet» · «Alle haben zugestimmt, und niemand fühlt sich verantwortlich» · «Die Lehrperson sagt, das Kind sei selber schuld» · «Wir haben es gemeldet, mehr können wir nicht tun» · «Niemand will genau hinschauen» · «Die necken sich doch nur»
Wer die Berufsethik einer Schule beschreibt, beschreibt ihre Standards: Würde, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Verantwortung, Diskretion. Albert Bandura vervollständigt das mit einer Kehrseite. Eine umfassende Theorie der Moral müsse nicht nur erklären, wie Menschen zu moralischem Verhalten kommen, «but also how they can behave inhumanely and still retain their self-respect and feel good about themselves» (Bandura 2016, S. 1). Seine Antwort heisst moral disengagement – hier als moralische Entkopplung wiedergegeben: die selektive Abkopplung der moralischen Selbstsanktionen vom eigenen schädigenden Handeln. Bandura hat den Gedanken 1986 in Social Foundations of Thought and Action eingeführt, 2001 in seiner Kohlberg-Gedenkvorlesung zusammengefasst (Bandura 2002) und 2016 in einem Buch entfaltet, das die Mechanismen durch Unterhaltungsindustrie, Waffenindustrie, Finanzwelt, Todesstrafe, Terrorismus und Umweltzerstörung verfolgt. Man könnte meinen, die Theorie handle von Ungeheuern. Bandura hält das Gegenteil fest: Die Entkopplung werde zwar meist bei schweren Unmenschlichkeiten angeführt, aber: «In point of fact, it is common in all types of moral predicaments managed by ordinary people in all walks of everyday life» (ebd.). Für die Schule ist die Theorie aus zwei Gründen wichtig. Sie erklärt, wie anständige Lehrpersonen, Schulleitungen und Behörden Kindern schaden können, ohne sich als Schädigende zu erleben. Und sie liefert das Vokabular, mit dem sich die Sprache, die Beschlüsse und das Nicht-Wissen-Wollen eines Kollegiums als das erkennen lassen, was sie sind – bevor daraus eine Krise wird.
Moral als Selbstregulation
Die Theorie steht im Gebäude der Human Agency: Moralisches Handeln ist ein Fall von Selbstregulation, nicht von Vernunftschluss. «Moral functioning is thus governed by self-reactive selfhood rather than by dispassionate abstract reasoning» (2002, S. 101). Menschen übernehmen Standards für richtig und falsch, beobachten ihr Verhalten, beurteilen es an diesen Standards und an den Umständen, und sie reagieren mit Selbstbilligung oder Selbstverurteilung (2016, S. 27–29). Bandura unterscheidet drei Sanktionssysteme, die Übertretungen im Zaum halten: das rechtliche, das soziale und das selbstbewertende. «Legal and social systems of control, which are rooted in external sanctions, are called fear controls. The control rooted in self-sanctions is called guilt control» (2016, S. 4). Eine Gesellschaft, die nur auf Furcht setzt, brauche flächendeckende Überwachung und ein ausgedehntes Strafsystem: «A civil society is largely a self-governing one» (ebd., S. 5). Und was diese Selbstregierung trägt, sind nicht die Prinzipien, sondern das Selbstbild: «It is not the moral principles or standards per se but the investment of one’s self-regard in how one lives up to those standards that governs the motivation and self-regulation of moral conduct» (ebd., S. 29). «There is no self-view more personally devastating than self-loathing» (ebd.).
Genau hier setzt die Entkopplung an. Moralische Standards, «whether characterized as conscience, moral prescripts, or principles, do not function as unceasing internal regulators of conduct» (ebd., S. 2). Die Selbstregulation arbeitet nur, wenn sie aktiviert ist, und sie lässt sich selektiv ausschalten: «Selective activation and disengagement of self-sanctions permits different types of conduct by persons with the same moral standards» (ebd.). Die Entkopplung ändert die Standards nicht – «Moral disengagement does not alter moral standards» (ebd., S. 3) –, sie hebelt sie für bestimmte Handlungen aus, während sie anderswo weitergelten. «It is the selective suspension of morality for harmful activities that enables people to retain their positive self-regard while doing harm» (ebd.). Bandura erzählt dazu den KZ-Kommandanten Amon Göth, der einen Brief voller Mitgefühl an seinen kranken Vater diktiert und dabei einen Gefangenen erschiesst, den er für zu langsam hält (ebd., S. 2): dieselbe Person, zur selben Zeit mitfühlend und grausam, je nachdem, wen sie in ihre Kategorie des Menschlichen einschliesst.
Damit richtet sich die Theorie gegen die rationalistische Tradition, in deren Namen Bandura sie 2001 vortrug: gegen Kohlbergs Stufen des moralischen Urteils, die hier unter moralischer Entwicklung stehen. Kohlbergs Theorie sei in die Kritik geraten «for contending that reason alone determines moral conduct, restricting morality to social justice, and failing to test the link between moral reasoning and moral action» (ebd., S. 25). Die Stufenfolge markiere im Grunde immer raffiniertere Rechtfertigungen: «Higher levels of moral ‹maturity› do not necessarily foretell stronger commitment to humane conduct» (ebd.), denn Rechtfertigungen jeder Stufe lassen sich für Schaden wie für Wohltat einsetzen. Was delinquente von nicht delinquenten Jugendlichen unterscheidet, sind nicht ihre abstrakten Werte: «Almost everyone is virtuous in the abstract» (ebd., S. 37). Die Unterschiede lägen «in the ease of moral disengagement under the conditional circumstances of everyday life» (ebd.). Bandura führt das an Jugendlichen vor, die Schulmaterial stehlen, weil es ja versichert sei und durch neueres ersetzt werde (ebd.). Für den Werteunterricht heisst das: Wer Gerechtigkeit im Abstrakten lehrt, hat noch nichts gegen die bedingten Rechtfertigungen getan, mit denen sie im Einzelfall umgangen wird.
Acht Mechanismen an vier Orten
Die Abbildung, die Bandura seit 1986 mitführt, ordnet acht Mechanismen vier Stellen im Prozess der Selbstregulation zu (2016, S. 3, Abb. 1.1; 2002, S. 103, Abb. 1): dem Verhalten selbst, der Urheberschaft, den Wirkungen und den Opfern. An jeder Stelle lässt sich die Selbstsanktion abkoppeln. Die Beispiele in der rechten Spalte sind eigene Übertragungen auf den Schulalltag.
| Ort | Mechanismus | Was geschieht | Im Schulalltag |
|---|---|---|---|
| Verhalten | Moralische Rechtfertigung | Das schädliche Mittel wird durch einen würdigen Zweck geheiligt | «Das Kind braucht endlich Grenzen» als Deckung einer Demütigung |
| Verhalten | Beschönigende Sprache | Das Etikett entschärft die Tat | «Neckerei», «etwas streng», «es wurde beschlossen» |
| Verhalten | Vorteilhafter Vergleich | Der Kontrast lässt das Schlimme harmlos erscheinen | «Anderswo wird viel härter durchgegriffen» |
| Urheberschaft | Verschiebung der Verantwortung | Eine Autorität trägt die Verantwortung | «Die Behörde hat das so entschieden» |
| Urheberschaft | Verteilung der Verantwortung | Gruppe, Arbeitsteilung und Anonymität zerstreuen die Zurechnung | «Das war ein Konferenzbeschluss» |
| Wirkung | Missachtung, Verzerrung, Bestreitung der Folgen | Der Schaden bleibt ausser Sicht oder wird kleingeredet | «Der Ausschluss hat ihm nicht geschadet, er kam ja ohnehin nicht mehr» |
| Opfer | Entmenschlichung | Das Opfer verliert die Eigenschaften einer Person | «der Störenfried», «unsere Fälle» |
| Opfer | Schuldzuweisung | Das Opfer hat es sich selbst zuzuschreiben | «Wer sich nicht wehrt, muss sich nicht wundern» |
Am Verhalten: Rechtfertigung, Sprache, Vergleich
«People do not usually engage in harmful conduct until they have justified to themselves the morality of their actions» (2016, S. 49). Die moralische Rechtfertigung macht schädliches Handeln persönlich und sozial annehmbar, indem sie es in den Dienst eines würdigen Zwecks stellt: «Righteous and worthy ends are used to justify harmful means» (ebd.). Ihr Modell ist die Verwandlung friedlicher Bürger in Soldaten – nicht durch veränderte Persönlichkeit oder Standards, sondern durch die Umdeutung des Tötens (ebd.). Die drei Mechanismen dieses Ortes hält Bandura für die mächtigsten, weil sie doppelt wirken: «Moral justifications serve dual functions. They engage morality in the worthy mission but disengage morality in its deadly execution» (ebd., S. 58). Wer sein Handeln für richtig hält, wird nicht nur vom Selbstvorwurf befreit, sondern gewinnt Selbstbilligung: «What was once morally reprehensible becomes a source of positive self-valuation» (ebd.).
Die beschönigende Sprache ist der Mechanismus, der im Alltag am leisesten arbeitet. «Language shapes the perception of events and the thought patterns on which people base many of their actions» (ebd., S. 53); dieselbe Handlung ist annehmbar oder nicht, je nachdem, wie sie heisst. Den Befund führt Bandura seit 2002 an: «People behave much more cruelly when assaultive actions are given a sanitised label than when they are called aggression» (2002, S. 104), und darum: «Euphemising is an injurious weapon» (ebd.). Mit Gambino unterscheidet er vier Spielarten: «sanitizing and convoluted language, the agentless passive form, and the borrowing of specialized jargon from a respectable enterprise» (2016, S. 53). Die reinigende Sprache lässt Soldaten Menschen «waste» statt töten und macht Zivilopfer zu «collateral damage» (ebd.); die verschachtelte Sprache versteckt die Tat hinter aufgeblasenen Fachwörtern – Rothwells «linguistic Novocain» für das Gewissen und «semantic fog», in Banduras Referat (ebd., S. 54); das täterlose Passiv erzeugt den Anschein, «that harmful acts are the work of nameless forces rather than of individuals» (ebd., S. 55); und der geliehene Jargon einer achtbaren Tätigkeit adelt eine unachtbare – die Watergate-Einbrecher waren «team players» mit einem «game plan» (ebd.). Kinder lernen das früh: «Maltreatment is sanitized as simply teaching the victim ‹a lesson›» (ebd., S. 33).
Der vorteilhafte Vergleich nutzt das Kontrastprinzip: «How the self and others view human behavior is colored by what it is compared against» (ebd., S. 56). Je krasser die Unmenschlichkeit, gegen die man das eigene Tun hält, desto wohltätiger wirkt es. Der Vergleich hängt an einem nützlichkeitsethischen Kalkül mit zwei Urteilen: «First, nonviolent options are depicted as ineffective for achieving desired changes, thus removing them from consideration. Second, utilitarian analyses using advantageous comparisons affirm that one’s injurious actions will prevent more human suffering than they cause» (ebd., S. 57) – und dieses Kalkül sei in der Anwendung «quite slippery», weil Schätzungen künftigen Schadens voller Unsicherheit und Verzerrung stecken (ebd.). 2016 ergänzt Bandura den erhebenden Vergleich: Die Waffenlobby stellt sich in eine Reihe mit Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtlern; «In uplifting comparisons, the harmful behavior is made worthy indirectly by associating it with revered persons exhibiting moral courage» (ebd., S. 58).
An der Urheberschaft: Verschieben und Verteilen
«Moral control operates most strongly when people acknowledge that they have caused harm by their detrimental actions» (2016, S. 58). Die zweite Gruppe von Mechanismen verdunkelt deshalb die eigene Urheberschaft. Bei der Verschiebung der Verantwortung übernimmt eine legitime Autorität die Folgen: «People will behave in ways they would normally repudiate if a legitimate authority accepts responsibility for the effects of their conduct» (ebd.). Milgram hat das im Labor gezeigt; Bandura betont, dass Autorisierung im Alltag anders läuft. Verantwortung werde selten offen übernommen; Autoritäten laden verdeckt zu schädlichem Handeln ein und halten sich selbst uninformiert: «Authorities do not go looking for evidence of wrongdoing. Obvious questions that would reveal incriminating information remain unasked, so officials do not find out what they do not want to know» (ebd., S. 61). Wird ein Missstand öffentlich, gilt er als Einzelfall aus Missverständnis, und die Schuld wandert zu übereifrigen Untergebenen (ebd.). Die Verschiebung braucht zudem gehorsame Funktionäre, die ihre Pflicht ernst nehmen. Bandura unterscheidet darum zwei Ebenen der Verantwortung: «duty to one’s superiors and accountability for the effects of one’s actions» (ebd., S. 62). «In a system of wrongdoing, the best functionaries are those who honor their obligations to authority but feel no personal responsibility for the harm they cause» (ebd.). Und wenn oben doch jemand hinsteht, dann oft rituell: Man übernehme die «ultimate responsibility», weil es «under their watch» geschehen sei, rahme den Fehler als Aufsichtslücke, schiebe ihn auf abtrünnige Untergebene und schliesse mit dem Blick nach vorn; «Admissions of ultimate responsibility are usually devoid of consequences» (ebd., S. 64).
Die Verteilung der Verantwortung arbeitet mit der Gruppe. «Any harm done by a group can always be attributed largely to the behavior of others» (ebd., S. 62); in Banduras eigenen Experimenten handelten Menschen unter Gruppenverantwortung grausamer als unter persönlicher Zurechnung (ebd., Abb. 2.2). Drei Formen: Gruppenentscheide – «The faceless group becomes the agent that does the deciding and the authorizing» (ebd.), und «When everyone is responsible, no one really feels responsible» (ebd.) –, Arbeitsteilung, bei der Teilaufgaben harmlos wirken und die Beteiligten ihre Aufmerksamkeit «from the morality of what they are doing to the operational details of the fragmented activity» verschieben (ebd., S. 63), und kollektives Handeln, das Anonymität gewährt (ebd.). Schon 2002 hatte Bandura festgehalten, dass diese beiden Mechanismen nicht nur in Köpfen wohnen: «Some of the moral disengagement practices, such as diffusion and displacement of responsibility, are built into the organisational and authority structures of societal systems» (2002, S. 116).
An der Wirkung: Nicht sehen, nicht wissen wollen
«As long as the harmful results of one’s conduct are ignored, minimized, or disputed, there is little or no reason for self-censure to be activated» (2016, S. 64). Darum werde erbittert um die Glaubwürdigkeit von Schadensbelegen gestritten (ebd.). Distanz hilft: «It is easier to harm others when their suffering is not visible and when destructive actions are physically and temporally remote from their effects» (ebd.). In Hierarchien, in denen oben geplant, in der Mitte weitergegeben und unten ausgeführt wird, haben es die Vermittler am leichtesten: «Disengagement of moral control is easiest for the intermediaries in a hierarchical system. They neither bear responsibility for the decisions nor do they carry them out and face the harm being inflicted» (ebd., S. 65). Auch das Gedächtnis arbeitet mit: «Memory is a reconstruction rather than a replay of recorded experiences, so there is a lot of leeway for memory distortion» (ebd., S. 66) – Menschen erinnern das Gute, das sie taten, besser als den Schaden.
Zwei Beobachtungen dieses Ortes reichen tief in die Schule. Die erste betrifft Schaden ohne Wunde: «Unlike physically destructive conduct, verbal abuse leaves no evident bruises, open wounds, spurting blood, anguished cries, or death» (ebd., S. 69); zerstörte Bauten und Körper heilten, aber «destroying people’s sense of self-worth and social reputation results in psychic wounds that endure» (ebd.). Wo die Wirkung unsichtbar bleibt, entsteht kein moralisches Problem: «Without perceived adverse effects there can be no moral predicament» (ebd.). Die zweite betrifft die Zuschauer institutionellen Fehlverhaltens. Mitarbeitende und Vorgesetzte, die Zeugen werden, «collectively turn a blind eye to what is going on» (ebd., S. 70) – aus Angst vor Vergeltung und davor, als Denunzianten oder Unruhestifter zu gelten. «It takes a lot of moral courage and perceived self-efficacy to blow the whistle» (ebd.). Bandura führt das an drei Institutionen vor, die Kinder vor Missbrauch hätten schützen müssen: der katholischen Kirche, der BBC und der Pennsylvania State University (ebd., S. 70–84). Das Muster ist stets dasselbe. Der Ruf der Institution wog schwerer als das Kind; Vorgesetzte hielten sich uninformiert – die «deliberate incuriosity of the senior executives» (ebd., S. 82); ein Kardinal sah seine Verantwortung mit der Weitergabe nach oben erledigt: «I don’t think it was my role to follow through» (ebd., S. 73); ein Bischof nannte kinderpornografische Aufnahmen «boundary violations» (ebd., S. 74). An einem Internat, das der Fernsehstar Jimmy Savile für seine Übergriffe nutzte, leugnete das Personal («Don’t be wicked, he would never do that»), verharmloste («Oh, that’s just Jimmy, that’s his way; he loves you girls»), bezichtigte die Mädchen der Lüge, und die Schulleiterin nannte sie «delinquents» mit «wild accusations» (ebd., S. 81). Ein ehemaliger BBC-Manager brachte das System auf den Begriff: «There is a culture of avoiding knowledge so as to evade responsibility» (ebd., S. 82). Und was den Untersuchungsbericht an der Universität am meisten überraschte, war die «striking lack of empathy» für die missbrauchten Kinder (ebd., S. 83).
Am Opfer: Entmenschlichung und Schuldzuweisung
«The strength of moral self-censure for harmful practices depends on how the perpetrators regard the people they mistreat» (2016, S. 84). Wer den anderen als fühlendes Wesen mit denselben Grundbedürfnissen wahrnimmt, empfindet Mitgefühl «through a sense of common humanity» (ebd.); «It is difficult to inflict suffering on humanized persons without experiencing distress and self-condemnation. But it is easy to do so without guilt if they are diminished to subhuman beings» (ebd.). Die Entmenschlichung nimmt dem Opfer Gefühle, Hoffnungen und Anliegen und macht es zum Objekt, zu «savages», zu Tieren (ebd.). In den Experimenten von Bandura, Underwood und Fromson bestraften Versuchspersonen entmenschlichte Personen härter als vermenschlichte, und die Kombination mit verteilter Verantwortung steigerte die Härte drastisch, während «the personalization of responsibility and the humanization of others together have a powerful self-restraining effect» (ebd., S. 85). Macht begünstigt den Vorgang: Wer einseitige Macht über andere hat und wenig Schranken kennt, «come to devalue those over whom they wield control» (ebd., S. 88).
Für die helfenden Berufe zieht Bandura eine wichtige Linie: «Depersonalization should be distinguished from dehumanization» (ebd., S. 89). Entmenschlichung nimmt dem anderen die menschlichen Eigenschaften; Depersonalisierung behandelt ihn mit emotionaler Distanz. Diese Distanz sei für Menschen, die täglich mit Leid arbeiten, ein Schutz – «Were they to empathize fully with the suffering of their clients, they would be too overwhelmed emotionally to be able to help them» (ebd.). Aber in Tätigkeiten, die zur mühsamen Routine werden, rutsche man leicht in einen gleichgültigen Modus, in dem Menschen wie Objekte behandelt werden; Maslachs Burnout-Syndrom enthalte Depersonalisierung, emotionale Erschöpfung, geringes Leistungserleben und Zynismus (ebd.). «Individuals who have a low sense of efficacy in helping others make needed changes are prone to blame and disparage them for their difficulties and their failure to do the things that can improve their lives. It is a small step from depersonalization to dehumanization» (ebd.).
Die Schuldzuweisung schliesslich macht den Täter zum Opfer: «External attribution of blame turns the perpetrator self into a victim, perceived as faultless and driven to injurious actions by forcible provocation» (ebd., S. 90). Aus einer Kette gegenseitiger Eskalation wird ein defensiver Akt des Gegners als die Provokation herausgegriffen; oder die Umstände haben einen gezwungen (ebd.). Der Unterschied zur Verschiebung der Verantwortung liegt in der Adresse: «In attribution of blame, victims are faulted for bringing maltreatment on themselves» (ebd.); bei der Verschiebung sind es die Autorisierenden. Für die Opfer sei die gerechtfertigte Misshandlung verheerender als die eingestandene: «But when victims are convincingly blamed for their plight, they may eventually come to believe the degrading characterizations of themselves» (ebd.). Und Beobachter, die ein Opfer leiden sehen, für das es selbst verantwortlich gemacht wird, werten es ab – was weitere Misshandlung rechtfertigt (ebd.). Bei Randgruppen und negativ stereotypisierten Gruppen laufe derselbe Mechanismus gesellschaftlich: «social conditions typically get ignored in favor of dispositional attributions to innate bad natures» (ebd.).
Zusammenspiel, Gewöhnung, Kollektiv, Nicht-Wissen
Im Alltag arbeiten die Mechanismen zusammen. Bandura führt 2002 den Waffenhändler Terpil vor, der sein Geschäft als Erfüllung von «consumer needs» bezeichnete, nichts über die Verwendung wissen wollte und sich mit Dow Chemical verglich – und dessen Handel nur funktionierte, weil ein Netz achtbarer Unternehmen je ein Stück davon erledigte (2002, S. 112 f.). Sein Fazit ergänzt Burkes Satz vom Triumph des Bösen, für den gute Menschen nur nichts tun müssten: «The triumph of evil requires a lot of good people, doing a bit of it, in a morally disengaged way, with indifference to the human suffering they collectively cause» (ebd., S. 113). Die Entkopplung sei kein Sprung, sondern ein Schleichweg: «Initially, individuals perform mildly harmful acts they can tolerate with some twinges of guilt. After their self-reproof has been diminished through repeated enactments, the level of ruthlessness increases until eventually acts they originally regarded as abhorrent can be performed with little anguish or self-censure» (2016, S. 97 f.). «At this point, inhumane practices become thoughtlessly routinized» (ebd., S. 98), und wegen der Allmählichkeit «individuals may not even recognize the changes their moral selves have undergone» (ebd.). Bandura wiederholt deshalb den Befund, den die Forschung seit Milgram und Zimbardo stützt: «it requires conducive social conditions rather than monstrous people to produce atrocious deeds» (ebd., S. 99).
Auf der Ebene sozialer Systeme wird die Entkopplung kollektiv, und Bandura behandelt sie wie die kollektive Wirksamkeit: ohne Gruppengeist, aber als emergente Eigenschaft. Mitglieder handeln auf geteilte Überzeugungen hin, und sie müssen ihre Rechtfertigungen nicht einzeln erfinden: «In doing so, they provide exonerations for each other» (ebd., S. 100). Kollektive Entkopplung sei deshalb «not simply the aggregation of the moral exonerations of its individual members operating in isolation. It is an emergent group-level property arising from interactive, coordinative, and synergistic group dynamics» (ebd.). Schliesslich die Selbsttäuschung: Buchstäblich könne man sich nicht belügen, weil man nicht zugleich etwas wissen und es für falsch halten kann (ebd., S. 101 f.). Echte Selbsttäuschung bestehe darin, Handlungen zu unterlassen, die enthüllen würden, was man nicht wissen will: «Keeping oneself willfully uninformed about an unwanted truth is the main vehicle of genuine self-deception» (ebd., S. 102). Soziale Systeme helfen dabei mit, indem sie Bestreitbarkeit in die Verantwortungskette einbauen; «These types of self-shielding maneuvers leave the foreseeable unforeseen and the knowable unknown» (ebd.).
Eines stellt Bandura dem Kapitel voran: Wer die Mechanismen erklärt, entschuldigt sie nicht. «Elucidating the psychosocial mechanisms of moral disengagement does not excuse or condone the conduct being analyzed» (ebd., S. 48) – das Wissen diene der Vorbeugung.
Banduras Schulbefunde: Entwicklung, Mobbing, Zuschauer
Anders als bei der Human Agency muss die Schule hier nicht selbst übersetzen: Bandura hat die Entkopplung in Kindheit und Schule untersucht. Bei Kindern werden die Mechanismen «in the concrete language they take in childhood» gemessen (2016, S. 33): Prügeln und Lügen als Freundespflicht, Diebstahl im Vergleich mit Schlimmerem, Provokation und Beleidigung als Spass, Opfer, die es sich mit ihrem «witless behavior» selbst zuzogen (ebd.). Kinder lernen früh, dass sie Tadel entgehen, indem sie Schuld verschieben; mit der Entwicklung moralischer Standards verschiebt sich die Aufgabe, denn nun müssen sie sich selbst überzeugen, nicht nur andere (ebd., S. 33 f.). «By late adolescence, children have learned the full array of disengagement practices» (ebd., S. 34). Am stärksten sagen die Umdeutung der Tat und die Abwertung der Opfer aggressives Verhalten voraus (ebd.); die Entkopplung bleibt prädiktiv für Delinquenz, auch wenn frühere Delinquenz und Selbstwirksamkeit kontrolliert werden, und sie ist unabhängig von sozialer Herkunft (ebd.). Ihr Weg führt über weniger vorgreifende Schuld, weniger prosoziales Verhalten und grüblerische Feindseligkeit (ebd., S. 35 f., Abb. 1.3).
Beim Mobbing wird daraus eine Aussage über Klassen. Mobber koppeln ihre Moral vom Missbrauch ab, und je stärker die Entkopplung, desto härter das Mobbing (ebd., S. 37). Aber: «In collective moral disengagement, classmates influence one another such that their group moral disengagement is usually greater than the sum of their individual mind-sets» (ebd., S. 38), und darum erkläre «the level of classroom moral disengagement» das Mobbing an Schulen «over and above the predictiveness of individual moral disengagement» (ebd.). Die Zuschauer stehen vor einem eigenen moralischen Dilemma und lösen es mit denselben Mechanismen: «They can minimize bullying as a normal part of growing up; invest it with worthy purpose, such as toughening up victims, teaching them a lesson, and upholding social norms; distance themselves from any responsibility for the problem; and disparage victims as losers and blame them for bringing maltreatment on themselves by not fighting back» (ebd.). Wer die Verwerflichkeit sieht, greift nicht automatisch ein, denn Eingreifen riskiert, selbst zum Ziel zu werden: «It is the bystanders with a high sense of efficacy in mediating conflicts and subduing bullies who act on their moral disquiet» (ebd.). Und kollektive Wirksamkeit senkt Aggression: Je höher die gemeinsame Wirksamkeitsüberzeugung von Kindern und Lehrpersonen, Aggression zusammen zu vermindern, desto geringer war die Aggression am Ende des Schuljahrs (Barchia und Bussey 2011, in Banduras Referat, ebd.). Die Folgerung: «Eradicating the scourge of bullying cannot be placed solely on the shoulders of a few children who are morally heroic bystanders. It requires systemic changes in the school culture involving key constituencies at all levels of influence» (ebd., S. 39). Als Beleg dient Olweus’ norwegisches Programm mit einer Schulkonferenz zum Thema, ausdrücklichen Standards – «Explicit standards were issued, affirming that bullying is unacceptable» (ebd.) –, Leitlinien für alle Mitarbeitenden, Klassenregeln und Sanktionen, Rollenspielen zur Deeskalation, kooperativen Klassenaktivitäten für Interdependenz und Elternarbeit; es reduzierte Mobbing auf jeder Altersstufe und nebenbei den Absentismus (ebd.). Zum Cybermobbing hält Bandura fest: «Cloaked in the anonymity afforded by the Internet, people say cruel things that they would never dare say publicly» (ebd.).
Die Gegenkraft: Vermenschlichung
Die Forschung betone, wie leicht sich das Schlechte im Menschen wecken lasse; selten werde erwähnt, dass die meisten Menschen sich weigern, vermenschlichten anderen gegenüber grausam zu sein, selbst unter starkem Befehl und erst recht, wenn sie den Schmerz selbst zufügen müssten (2016, S. 91). «The affirmation of common humanity can bring out the best in others» (ebd.). Empathie sei die emotionale Reaktion auf das Erleben anderer, Mitgefühl «the desire and effort to alleviate the perceived suffering of others» (ebd., S. 92) – und beides ist gelernt: Die biologische Ausstattung zur stellvertretenden Erregung sei da, aber «learning experiences largely determine the level and pattern of empathic reactions» (ebd.). Der Befund aus Banduras früher Familienforschung ist für Erziehende präzis: Eltern aggressiver Söhne setzten auf furchtbasierte Kontrolle, Eltern prosozialer Söhne «cultivated empathic-based control, portraying the consequences of aggressive conduct in terms of the injury and suffering it brings to others» (ebd., S. 94). Moral lässt sich auch wieder ankoppeln: McAlister und Kollegen förderten die Wiederankopplung durch «peer modeling of prosocial solutions to conflicts and exposure to communications that unmasked the various self-exonerative methods of moral disengagement» (ebd.). Und weil es so viele Wege der Entkopplung gibt, verlässt sich Bandura nicht auf Individuen: «civilised life requires, in addition to humane personal standards, safeguards built into social systems that uphold compassionate behaviour and renounce cruelty» (2002, S. 101). Sein letzter Satz von 2002 ist ein Auftrag an Organisationen: «It should be made difficult for people to remove humanity from their conduct» (ebd., S. 116).
Für die Schulleitung
Die Übertragung ist eigene Anwendung, nicht Banduras Text. Sechs Folgerungen:
- Die Sprache im Lehrerzimmer ist Führungsgegenstand. Rolff zählt die Sprache, in der über Kinder geredet wird, zur Schulkultur; Bandura sagt, warum: Das Etikett geht der Tat voraus. «Störenfried», «unsere Fälle», «der ist halt so» sind Vorstufen der Entmenschlichung; «Neckerei» für Mobbing und «etwas streng» für Demütigung sind reinigende Sprache; «es wurde beschlossen» ist das täterlose Passiv. Eine Schulleitung, die diese Wörter hört und stehen lässt, lässt die Entkopplung zu, bevor jemand etwas getan hat. Dasselbe gilt für ihre eigene Sprache in der Krisenkommunikation: Wer im Elternbrief «Vorfall» schreibt, wo ein Übergriff war, nimmt dem Ereignis die Moral.
- Verantwortung personalisieren, nicht verteilen. Konferenzbeschlüsse, Zuweisungen an die Behörde («die haben es so gewollt») und Arbeitsteilung in Fördergremien sind genau die Formen, in denen Bandura die Verantwortung zerstreut sieht. Seine zwei Ebenen sind ein Führungsmassstab: Pflichterfüllung gegenüber der Vorgesetzten ist nicht Rechenschaft für die Wirkung am Kind. Und die Schulleitung selbst ist die Vermittlerin in der Hierarchie, die es nach Bandura am leichtesten hat, sich abzukoppeln – sie entscheidet nicht (das tut die Behörde), und sie führt nicht aus (das tut die Lehrperson). Wer als Proxy in beide Richtungen handelt, muss für die Wirkung in beide Richtungen einstehen. Für das Kollegium heisst das: Ein Beschluss braucht eine Person, die ihn verantwortet und seine Wirkung nachsieht.
- Folgen sichtbar halten. Was die Schule dem Kind antut, ist oft unsichtbar: die Absenz, der Ausschluss, die Note, das Wort in der Garderobe. Der Beitrag Schulabsentismus zeigt, wie Disziplinarordnungen Schwänzen mit vergessenem Turnzeug gleichsetzen und wie Ausschlüsse den Fernbleibenden genau das verordnen, was sie sich selbst verordnet haben – Bagatellisierung und Missachtung der Folgen auf der Ebene des Regelwerks. Führung heisst hier, die Wirkung zurück ins Blickfeld zu holen: die Rückkehr gestalten, das Kind nach dem Ausschluss noch einmal sehen, Sanktionen an ihrer Wirkung messen. Banduras Befund, dass Machthaber mit nur strafenden Mitteln ihre Härte gegen Abgewertete steigern, auch wenn sie nichts bewirkt (ebd., S. 91, Abb. 2.6), ist das psychologische Argument für den dritten Weg.
- Nicht-Wissen-Wollen ist die Krise vor der Krise. Die drei Institutionen in Banduras Kapitel haben Kinder nicht geschützt, weil sie ihren Ruf schützten, und sie taten es mit den Mechanismen der Wirkungs- und der Urheberschaftsebene: keine Fragen stellen, nach oben melden und sich für erledigt halten, Kinder der Lüge bezichtigen, das Verbrechen «boundary violation» nennen. Die hiesigen Instrumente sind die Antwort darauf. Die Stufen der Grenzverletzung und die Zartbitter-Trias verhindern, dass ein Übergriff als Grenzverletzung firmiert; die Sofortregel – nicht selbst ermitteln, nichts löschen, Vier-Augen-Prinzip, die Anstellungsbehörde entscheidet – nimmt der Schulleitung die Möglichkeit, die Kette der Verantwortung zu verwischen; die Meldepflicht gehört zu den «safeguards built into social systems», die Bandura verlangt. Und die Lehrperson, die in Vignette 22 der Grenzüberschreitungen dem gemobbten Jungen sagt, er müsse sich halt wehren, hat den Fall an das Opfer delegiert: Schuldzuweisung und Bagatellisierung in einem Satz.
- Mobbing ist ein Klassen- und Schulmerkmal. Banduras Klassenbefund verschiebt die Diagnose: Nicht nur der Mobber, das Klima der Klasse trägt das Mobbing, und die Zuschauer brauchen Wirksamkeit, nicht nur Einsicht, um einzugreifen. Die kollektive Wirksamkeit des Kollegiums ist damit auch eine Schutzgrösse gegen Aggression – die Lehrpersonen sind Teil der gemeinsamen Wirksamkeit, die Barchia und Bussey messen. Ausdrückliche Standards, geteilte Verantwortung aller Erwachsenen, Interdependenz in der Klasse: Was Olweus’ Programm ausmacht, ist Schulentwicklung, nicht Einzelfallbehandlung.
- Depersonalisierung ist erlaubt, Entmenschlichung nicht. Lehrpersonen dürfen sich schützen; die emotionale Distanz zum Leid ist Bedingung dafür, helfen zu können. Aber Bandura benennt die Schwelle: Wer sich nicht mehr wirksam erlebt, beginnt zu beschuldigen und abzuwerten. Die Sprache eines erschöpften Teams über seine Kinder ist deshalb ein Frühindikator der Belastung – und die Selbstwirksamkeit der Lehrpersonen, die die Schulleitung aufbaut, ist zugleich Schutz der Kinder vor dem kleinen Schritt.
Ein Wort zum Vokabular. Banduras acht Begriffe sind Diagnosen, keine Anklagen. Sie helfen der Schulleitung zuerst, ihr eigenes Nicht-Wissen-Wollen zu erkennen, bevor sie es bei anderen sucht.
Was nicht von Bandura stammt
Kohlbergs Stufentheorie, gegen die sich der Ansatz richtet, steht hier unter moralischer Entwicklung; Banduras Kritik nimmt auf, was Kohlberg seit den 1980er-Jahren entgegengehalten wurde, und macht daraus die Alternative einer Handlungstheorie der Moral. Die Gehorsams- und Gefängnisexperimente gehören Milgram und Zimbardo, die Analysen der Verantwortungsdiffusion Kelman, die Machtstudien Kipnis; Bandura referiert sie. Sein eigener Beitrag zur Empirie sind die Experimente mit Underwood und Fromson (1975) und die Skala mit Barbaranelli, Caprara und Pastorelli (1996). Die Mobbingforschung (Olweus, Hymel, Gini, Thornberg) und das norwegische Programm sind ebenfalls Referat. Eine ältere Verwandte aus der Kriminalsoziologie, Sykes und Matzas «Neutralisierungstechniken» von 1957 – Ablehnung der Verantwortung, des Schadens und des Opfers, Verurteilung der Verurteilenden, Berufung auf höhere Loyalitäten –, wird in den beiden Werken nicht zitiert und liegt nicht im Korpus; die Ähnlichkeit ist auffällig, die Einbettung verschieden. «Willful blindness» ist der Buchtitel Margaret Heffernans, den Bandura aufnimmt. Die Zartbitter-Trias, der Bündner Standard und der No Blame Approach, mit denen hier Grenzverletzungen und Mobbing bearbeitet werden, sind Werkzeuge anderer Herkunft; Bandura liefert ihnen die Psychologie, nicht die Form. Und die Übersetzung «moralische Entkopplung» ist eine Wahl dieser Beiträge – in der deutschsprachigen Literatur finden sich auch «moralische Loslösung» und der unübersetzte Begriff.
Verbindungen
- Berufsethische Grundwerte der Lehrperson – die Standards, die Bandura voraussetzt; hier die Mechanismen, mit denen sie umgangen werden, ohne dass sie fallen
- Human Agency nach Bandura – das Gebäude, in dem die moralische Agency als Teil der Selbstreaktivität steht; dort der Satz, der hier entfaltet wird
- Albert Bandura – Namenkarte: wofür der Name steht und was von ihm im Korpus liegt
- Selbstwirksamkeit – Wirksamkeit als Bedingung des Eingreifens und als Schutz vor dem kleinen Schritt von der Distanz zur Abwertung
- Kollektive Lehrer-Wirksamkeit – das Gegenstück der kollektiven Entkopplung: beide emergent, beide ohne Gruppengeist; kollektive Wirksamkeit von Kindern und Lehrpersonen senkt Aggression
- Kollegium und Zusammenarbeit – wo Konferenzbeschluss und Arbeitsteilung die Verantwortung zerstreuen
- Lehrperson-Schüler-Beziehung – die Asymmetrie als Machtverhältnis, das nach Bandura zur Abwertung der Beherrschten neigt
- Grenzen pädagogischen Handelns – die Verbotsgrenzen, die keine Rechtfertigung übertreten darf; Bandura zeigt, wie Rechtfertigungen es trotzdem tun
- Pädagogische Grenzüberschreitungen – Vignette 22 als Lehrstück der Schuldzuweisung; die Vignetten als Sammlung entkoppelter Sprache
- Grenzverletzungen – Grundsätze und Stufen – die Stufen als Schutz gegen den Euphemismus «boundary violation»
- Notfall – die ersten 30 Minuten – die Sofortregel als eingebaute Schranke gegen Verwischen und Nicht-Wissen-Wollen
- Melderechte und Meldepflichten an die KESB – die Meldepflicht als Schutzvorkehrung im System, die Bandura für nötig hält
- Krisenkommunikation – Sprache in der Krise: das rituelle «under their watch» und der Euphemismus im Elternbrief
- Schulabsentismus – Bagatellisierung durch Gleichbehandlung und Ausschluss als Missachtung der Folgen im Regelwerk
- Arbeitsbelastung der Lehrpersonen – Depersonalisierung als Burnout-Merkmal und die Schwelle zur Entmenschlichung
- Schulkultur als Führungsgegenstand – die Sprache über Kinder als Kulturmerkmal, das Rolff der Schulleitung zuweist
- Der dritte Weg bei Regelverstössen – Banduras Befund über strafende Macht, die ihre Härte gegen Abgewertete steigert, als Argument für den autoritativen Weg
- Moralische Entwicklung – Kohlbergs Stufen, gegen die Bandura die Handlungstheorie der Moral setzt
- Selbstführung der Schulleitung – Selbstsanktion als Kern der Selbstführung; wer sich abkoppelt, führt sich nicht
Literatur
- Bandura, A. (2016). Moral Disengagement: How People Do Harm and Live With Themselves. New York: Worth. – Hauptquelle; Fragestellung und Alltäglichkeit S. 1, Standards und Selektivität S. 2 f., Abb. 1.1 S. 3, Furcht- und Schuldkontrolle S. 4 f., Kohlberg-Kritik S. 25, Selbstregulation S. 27–29, Entwicklung S. 33–37, Mobbing und Zuschauer S. 37–39, Verhaltensort S. 49–58, Urheberschaft S. 58–64, Wirkung S. 64–84 (Kirche, BBC, Penn State S. 70–84), Opfer S. 84–91, Vermenschlichung S. 91–97, Gewöhnung S. 97–99, kollektive Entkopplung S. 100 f., Selbsttäuschung S. 101–103
- Bandura, A. (2002). Selective Moral Disengagement in the Exercise of Moral Agency. Journal of Moral Education, 31(2), 101–119. https://doi.org/10.1080/0305724022014322 – Kohlberg-Gedenkvorlesung von 2001, kompakte Fassung; Selbstreaktivität S. 101 f., Mechanismen S. 102–110, Gewöhnung S. 110 f., Terpil und der Triumph des Bösen S. 112 f., Alltag S. 114, Entwicklung S. 115, Strukturen und Schlusssatz S. 116
Verweise auf diese Seite
- Albert Bandura Namen
- Arbeitsbelastung Lehrpersonen und Personalgewinnung Zettelkasten
- Berufsethische Grundwerte der Lehrperson Zettelkasten
- Der dritte Weg bei Regelverstössen Zettelkasten
- Grenzen pädagogischen Handelns Zettelkasten
- Grenzverletzungen – Grundsätze und Stufen Zettelkasten
- Human Agency nach Bandura: vier Kernmerkmale, drei Modi Zettelkasten
- Kollegium und Zusammenarbeit – berufsethische Dimension Zettelkasten
- Kollektive Lehrer-Wirksamkeit (CTE) Zettelkasten
- Krisenkommunikation (intern und extern) Zettelkasten
- Lehrperson-Schüler-Beziehung – berufsethische Dimension Zettelkasten
- Melderechte und Meldepflichten an die KESB Zettelkasten
- Moralische Entwicklung Zettelkasten
- Notfall – die ersten 30 Minuten Zettelkasten
- Pädagogische Grenzüberschreitungen Zettelkasten
- Schulabsentismus Zettelkasten
- Schulkultur als Gegenstand der Schulleitungs-Arbeit Zettelkasten
- Selbstführung der Schulleitung Zettelkasten
- Selbstwirksamkeitserwartung (Bandura) Zettelkasten