Hans Berner

Zürcher Bildungswissenschaftler, Prof. em. Dr., langjähriger Dozent für Pädagogik und Allgemeine Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Zürich und an der Universität Zürich, zuvor Berufsschullehrer für Gehörgeschädigte; Verfasser von Über-Blicke – Ein-Blicke und Didaktische Kompetenz (1999) sowie – mit Rudolf Isler und Wiltrud Weidinger, beide ebenfalls PH Zürich – des Lehrmittels Einfach gut unterrichten.

Wer in einer Sitzung «Berner» sagt, meint das Lehrmittel: die Allgemeine Didaktik der PH Zürich, aus der die zwölf Merkmale guten Unterrichts und die Beobachtungsbögen für den Unterrichtsbesuch stammen. Und er meint eine Haltung: keine didaktische Monokultur, keine Rezepte – aber Qualitätsmerkmale, über die sich die Unterrichtsforschung einig ist.

Wofür der Name steht

Guter Unterricht als Konsens. Den guten Unterricht «in einem absoluten Sinn» gibt es nicht, wohl aber Qualitätsprinzipien, «die unbedingt und fraglos gültig sind» (2024, S. 21, mit Helmke). Berner, Isler und Weidinger bündeln sie zu zwölf Merkmalen in drei Themenkreisen – Lernatmosphäre, Motivation, didaktisch-methodisches Know-how – als Gesamtschau der Befunde von Hattie, Helmke und Meyer, nicht als eigene Theorie (S. 21, 25 f.). → Merkmale guten Unterrichts, Unterrichtsbeobachtungs-Instrumente, Klassenführung als Handwerk

Integrative Didaktik statt Monokultur. Berners eigenster Gedanke sind die didaktischen Kippfiguren: schülerzentriert oder lehrerzentriert, offen oder zielzentriert – wer sich auf eine Ansicht fixiert, macht sie zur absoluten, «gar fundamentalistischen» Wahrheit; angemessen ist «eine Sichtweise, die beide Figuren zu sehen vermag» (1999, S. 250–252, wiederaufgenommen 2018). Daraus folgt das Programm des Lehrmittels: gegen die «didaktisch-methodische Monokultur», für eine «integrative, vielfältige Didaktik» (2024, S. 12) – offene Lernsituationen sind traditionellen mit Lipowsky «weder über- noch unterlegen» (S. 13), und Methodenvielfalt ist ein Optimum, kein Maximum (S. 38). → Sozialformen und Methodenrepertoire, Direkte Instruktion und entdeckendes Lernen, Didaktische Modelle im Überblick

Professionelles Handeln statt Rezept. Der Lehrberuf ist von Dilemmas geprägt; wer ihn ausübt, braucht Komplexitätsbewusstsein und «Widerstand gegen Simplifizierungen, gegen vereinfachende Slogans und Rezepte». Komplexität ist aber keine Ausrede für ein «Anything goes»: Was unprofessionell ist, lässt sich benennen (2018, Teil 1, Kap. 1). Entsprechend ist Klassenführung «nicht Ausdruck irgendeines Talents» (2024, S. 34), und es kommt nicht auf die Lehrerpersönlichkeit an, sondern «auf das Tun der Lehrerinnen und Lehrer» (2021, S. 254). → Didaktisches Handeln – Grundbegriffe, Bildungstheoretische Didaktik nach Klafki

Lernen von der Selbstwirksamkeit her. Der Nachfolgeband Einfach gut lernen beginnt mit Selbstwirksamkeit und Selbstkonzept – Banduras Zugang sei «für die Pädagogik am hilfreichsten» (2021, S. 17) – und endet mit zwanzig Thesen zu Lernenden, Lehrpersonen, Eltern und Gesellschaft: «Alle Schülerinnen und Schüler wollen lernen und sind grundsätzlich interessiert» (S. 252); Verantwortung entsteht, wo man sich selbstwirksam erlebt (S. 253); und weil schlechte Lehrpersonen ein Problem sind, ist die Rekrutierung entscheidend (S. 255) – ein Satz, der der Schulleitung gilt. → Selbstwirksamkeit, Selbstreguliertes Lernen, Lernmotivation

Wie der Name hier fällt

Rund zwanzig Beiträge zitieren oder nennen Berner, fast alle in Unterrichtsgestaltung und Lernen. Drei Verwendungen:

  1. Als Lehrmittel hinter dem Unterrichts-Cluster. Zehn Beiträge zur Unterrichtsgestaltung stützen sich auf Einfach gut unterrichten; sie entstanden als Entwürfe aus dem Lehrmittel und sind noch nicht am Volltext verifiziert.
  2. Als Raster für den Unterrichtsbesuch. Der Beobachtungsbogen des CAS Quereinstieg Schulleitung operationalisiert Berners Merkmale; wer als Schulleitung hospitiert, sieht den Unterricht durch dieses Raster – hier wird ein Didaktik-Autor zur Schulleitungsquelle.
  3. Als Einstieg ins Lernen. Fünf Beiträge zu Motivation, Selbstregulation, Lernstrategien und Emotion zitieren Einfach gut lernen.

Was nicht von Berner stammt. Die Volltextprüfung hat mehrere Zuschreibungen zurückgenommen, die hier kursieren: Die Stufung Mikro-, Meso- und Makroadaptivität steht in keinem der drei Bücher – «adaptiv» kommt in Einfach gut unterrichten nicht vor; ebenso wenig präventive und reaktive Klassenführung, achtzig Prozent Wirkung, eine Typologie aus Übungs-, Lern-, Anwendungs- und Reflexionsaufgaben oder der Begriff «Unterrichtsanalyse» im Herausgeberband. Die zwölf Merkmale folgen einem Vorschlag von Wolfgang Beywl (2024, S. 25), und die «aktive, optimistische, zuversichtliche und von Selbstwirksamkeit getragene Berufsauffassung» ist Moser und Tresch (2003), die Berner als Text abdruckt.

Was im Korpus liegt. Drei Werke: Einfach gut unterrichten in der 3. Auflage (2024; erstmals 2018), Einfach gut lernen (2021) und der Herausgeberband Didaktisch handeln und denken (2018, mit Urban Fraefel und Barbara Zumsteg) mit Berners eigenen Kapiteln zu guten Lehrpersonen, Unterrichtsbeobachtung, gutem Unterricht und Inhaltsauswahl; dessen Anlage ist eine Konversion ohne Druckpaginierung, zitierbar nur nach Teil und Kapitel. Nicht vorhanden: Didaktische Kompetenz (1999), die Quelle der Kippfiguren.

In der Liste Hundert Bücher für Schulleitungen stehen alle drei Werke unter den ersten dreizehn (Ränge 6, 10 und 13).

Verbindungen

Literatur