Rolf Dubs

Schweizer Wirtschaftspädagoge, geboren 1935, Professor an der Universität St. Gallen und deren Rektor von 1990 bis 1993, Direktor des Instituts für Wirtschaftspädagogik; Verfasser des Schweizer Standardwerks Die Führung einer Schule (3. Auflage 2019), das das St. Galler Management-Modell auf die Schule überträgt.

Wer in einer Sitzung «Dubs» sagt, meint das Standardwerk: den Beleg, dass etwas so gemacht wird, wie es «im Dubs» steht – vom Organigramm über das Mitarbeitergespräch bis zur Konfliktbearbeitung. Und er meint ein Führungsverständnis, das die ganze Schule im Blick hat, nicht nur die Pädagogik.

Wofür der Name steht

Das ganzheitliche Führungsmodell. Dubs baut sein Buch auf dem St. Galler Management-Modell auf, «um die Bedeutung der Ganzheitlichkeit des Denkens in der Führung einer Institution zu betonen» (2019, Vorwort). Führung einer Schule heisst bei ihm vernetztes Denken in Gesamtzusammenhängen: normative, strategische und operative Ebene, Managementprozesse, Unterstützungsprozesse wie das Personalmanagement, Erneuerung durch Schulentwicklung, und ein eigenes Kapitel für die schwierigen Situationen. Das Buch ist damit weniger Theorie als Landkarte der gesamten Schulführung – und genau so wird es hier benutzt. → Operatives und strategisches Führen, Stakeholder der Schule, Schule als lernende Organisation, Konfliktmanagement an Schulen

Leadership und Management. Dubs klärt die Begriffe systematisch: Mit Bennis und Nanus – «Manager tun die Dinge richtig, Leader tun die richtigen Dinge» (S. 142) – koppelt er transformationale Führung an Leadership und transaktionale an Management. Wer sich nur als Manager versteht, «wird bald einer ‹verwalteten Schule› vorstehen». Sein eigener Beitrag sind die fünf Kräfte erfolgreicher Leadership (Abbildung 5.2, S. 144–148), die Leadership als Ausstrahlung der Schulleitungsperson fassen. → Leadership und Management, Fünf Kräfte erfolgreicher Leadership, Transformationale Führung in der Schule

Die Geleitete Schule. Dubs beschreibt die Schweizer Entwicklung zur professionell geleiteten, teilautonomen Schule nicht nur, er empfiehlt sie: Das basisdemokratische und das teamgeleitete Modell «eignen sich nicht» (S. 107). Dahinter steht die Trennung von strategischer Steuerung durch die Behörde und operativer Führung durch die Schulleitung – und die Warnung, dass mehr Autonomie ohne angepasste Modelle und Rechtsnormen im Alltag nicht trägt (S. 21). → Geleitete Schule

Wie der Name hier fällt

Rund dreissig Beiträge zitieren oder nennen Dubs, fast alle im Bereich Schulleitung. Drei Verwendungen:

  1. Als Beleg für das Organisatorische. Personalmanagement als Unterstützungsprozess (Personalentwicklung), das Mitarbeitergespräch, Resilienz und personale Ressourcen der Schulleitung (S. 329–331, Selbstführung der Schulleitung), die Kultur als gemeinsamer Sinnhorizont im Kulturmodell, die Warnung vor additiver Medienbeschaffung in der Digitalisierung im Unterricht.
  2. Als Brücke zwischen Wirtschaft und Schule. Der Satz, der sein Programm zusammenfasst: «Der Glaube, eine Schule lasse sich wie ein Wirtschaftsbetrieb führen, ist in dieser absoluten Form überholt. Bewährte Erkenntnisse aus der Wirtschaft sollten aber in angepasster Form auf die Führung von Schulen übertragen werden» (S. 22). Für Führungspersonen, die aus anderen Organisationen in die Schule kommen, ist das die Grundhaltung – und die Warnung davor, Schule ökonomisch zu verkürzen.
  3. Als Lehrstück für Quellentreue. Kaum ein Autor wird hier so oft zitiert und so leicht überdehnt. Der Verifikationspass vom Mai 2026 hat mehrere Zuschreibungen zurückgenommen (siehe unten) und gelehrt, Begriffspaare auf ihre doppelte Lesart zu prüfen: «strategisch und operativ» meint bei Dubs sowohl das Verhältnis von Behörde und Schule als auch die Ebenen innerhalb der Schulführung (S. 87).

Was nicht von Dubs stammt. Die Formel «die Dinge richtig tun – die richtigen Dinge tun» ist Drucker (1967) beziehungsweise Bennis und Nanus (1985); Dubs zitiert sie (S. 24, S. 142). Die geläufigen fünf Aufgabenfelder der Schulleitung – personell, pädagogisch, organisatorisch, administrativ, Beziehung – sind Schweizer Praxiskonvention aus Berufsleitbild und kantonalen Verordnungen, nicht Dubs’ Systematik. «Selbstführung» kommt im Buch nicht vor; das Wort stammt aus der allgemeinen Führungsliteratur. Den Begriff «Stakeholder» verwendet er ein einziges Mal, obwohl sein dreiteiliges Anspruchsgruppen-Modell (Kap. 2) genau das beschreibt. Und die verbreitete Diagnose, Schulleitungen verzettelten sich im Operativen, ist eine gängige Managementbeobachtung, die sich so bei ihm nicht findet.

Was im Korpus liegt. Ein Werk: Die Führung einer Schule. Leadership und Management in der 3. Auflage (2019), als Volltext. Frühere Auflagen und seine übrigen Bücher – etwa Lehrerverhalten – liegen nicht vor; alles, was hier von Dubs steht, stützt sich auf diese Ausgabe.

In der Liste Hundert Bücher für Schulleitungen steht Die Führung einer Schule auf Rang 2, direkt hinter Bandura.

Verbindungen

Literatur